Zwei Wahlkreis-Kandidaten, ein alter und ein neuer Vorsitzender

In jeweils lebhaften Sitzungen hat der FDP-Kreisverband Nordfriesland am 29. Oktober 2011 im Hotel “Osterkrug” in Husum seine Wahlkreismitgliederversammlung sowie einen anschließenden Kreisparteitag abgehalten. Mit stehenden Ovationen verabschiedeten die Mitglieder den zurückgetretenen Kreisvorsitzenden Kurt Eichert.

Noch immer geprägt von dem Eindruck des überraschenden Rücktritts des bisherigen Kreisvorsitzenden Kurt Eichert, oblag es dem ersten stellvertretenden Kreisvorsitzenden Jörg Tessin, die “trotz des starken politischen Gegenwindes” zahlreich anwesenden Parteimitglieder herzlich zunächst zur Wahlkreismitgliederversammlung zu begrüßen, die zunächst über die Aufstellung der Bewerber um die Direktmandate zum Schleswig-Holsteinischen Landtag in den Wahlkreisen 1 (Südtondern) und den Wahlkreis 2 (Husum) zu befinden hatte.

Jörg Tessin begrüßt die Anwesenden

In seiner Eröffnungsrede hob Jörg Tessin dann zunächst auch die kommunikativen Fähigkeit des ausgeschiedenen Vorsitzenden hervor, mit dem es Kurt Eichert offensichtlich gelungen war, seine gesundheitliche Lage gut zu verbergen. So habe seine Entscheidung den gesamten Vorstand unerwartet getroffen, sei aber natürlich auf volles Verständnis gestoßen. Das große Bedauern spiegele die Art und Weise wider, wie Kurt Eichert sein Amt ausgefüllt habe.

Zum Zustand der Partei malte Tessin ein maritimes Bild: Der Kreisverband fahre in einem Verband der verschiedenen Parteiebenen auf hoher See, während schwere Brecher über das Schanzkleid schlagen. Einige Schiffe des Verbandes haben in dem Sturm große Lukendeckel, der nordfriesische Kreisverband vielleicht 1 oder 2 Bullaugen offen gelassen – “Soll heißen: Einigen steht das Wasser schon bis zum Hals, nur auf unserem Schiff muss maximal die Bilge leergepumpt werden. Die Mannschaft des Kreisverbandes ist auf Posten und wird das kleine Problem bewältigen – heute wird der letzte Liter herausgepumpt!”

Nach formal gestrenger Dramaturgie wandte sich die Wahlkreismitgliederversammlung schließlich seiner Hauptaufgabe zu. Zunächst ging es dabei um den Wahlkreis 1 (Südtondern), für den Hermann Schaefer aus Süderlügum als einziger Bewerber vorgeschlagen und in geheimer Abstimmung klar gewählt wurde. Für die Direktkandidatur im Wahlkreis 2 (Husum) stellten sich im Anschluss Ingrid Käsler und Rüdiger Kohls zur Wahl. Die Mehrheit der anwesenden Mitglieder bestimmte schließlich Ingrid Käsler zu ihrer Kandidatin.

Kreisparteitag wählt Delegierte zur Landesvertreterversammlung und neue Vorstandsmitglieder

Wahlkreisversammlung und Kreisparteitag

Auf dem im Anschluss abgehaltenen Kreisparteitag waren die Mitglieder der FDP Nordfriesland schließlich aufgerufen zunächst die Delegierten und Ersatzdelegierten für die Landesvertreterversammlung zu bestimmen, die Anfang des kommenden Jahres die Landesliste der Freien Demokratischen Partei für die Landtagswahlen 2012 beschließen wird. Erneut wird Jörg Tessin die nordfriesische Delegation von 12 Mitgliedern anführen, der zudem Cord Weber, Rüdiger Kohls, Marlies Schaefer, Hermann Schaefer, Andreas Maack, Gudrun Eufinger, Udo Rühl, Wiebke Kühl-Tessin, Axel Schauder, Ingrid Käsler und Jörn Kieback angehören.

Danach galt es, eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger des überraschend zurückgetretenen Kreisvorsitzenden Kurt Eichert zu wählen. Tagungspräsident Godber Kraas ergriff die Gelegenheit, sich ebenfalls ganz persönlich bei dem zurückgetretenen Vorsitzenden für eine intensive Zusammenarbeit zu bedanken und zugleich eine eigene Kandidatur in aller Deutlichkeit auszuschließen:

„Ich habe in den letzten Jahren sehr gut und sehr schön mit Kurt Eichert zusammenarbeiten dürfen! Ich bin immer nur als stellvertretender Vorsitzender angetreten, denn ich bin nur Sacharbeiter und will nicht zu öffentlichen Anlässen gehen. Kurt und ich haben sehr intensiv zusammengearbeitet in den letzten Jahren und dabei sehr viele Stunden gemeinsam im Auto verbracht. Es war ein sehr intensiver sachlicher Austausch. Ich bin auch gefragt worden, ob ich kandidiere und ich habe klar gesagt, das ich nicht kandidiere und im Herbst 2012 aufhöre und kein Amt mehr bekleiden werde. Ich bin auch gefragt worden, kommissarisch den Vorstand weiter zu leiten – Aber ich glaube, das würde ein falsches Bild abgeben. Dieser Verband hat die Kraft, den Posten zu besetzen! Ich möchte Kurt für die Zusammenarbeit danken! Ich habe viel von ihm gelernt, ein bisschen ruhiger und ausgleichender zu werden. Wir haben immer Spaß bei der Sache gehabt, die Kreisvorstandssitzungen haben immer wunderbar geklappt und wir gemeinsam viel gelacht.”

Godber Kraas, Ingrid Käsler, Jens Kieback und Hermann Schaefer

Auf Vorschlag des geschäftsführenden Kreisvorstands trat Jens Kieback zur Nachwahl an und blieb ohne Gegenkandidaten, nachdem weitere Vorschläge aus der Mitte der Mitgliederschaft nicht auf die Bereitschaft der  Nominierten stießen, die mit nachvollziehbaren Gründen aufwarten konnten, für den Parteivorsitz nicht zur Verfügung zu stehen. Der Vorschlag aus der Mitte des Kreisparteitages, den Posten bis zu den regulären Vorstandswahlen im kommenden Jahr vakant zu belassen und die Aufgaben auf die stellvertretenden Vorsitzenden zu verteilen, um dann eine neue schlagkräftige Truppe zu den Kommunalwahlen zu bilden, fand keine mehrheitliche Unterstützung. Jens Kieback,  der bereits einmal in der Vergangenheit das Amt des Vorsitzenden bekleidet hatte, wurde schließlich mit großer Mehrheit zum Nachfolger Kurt Eicherts bestimmt.

In einer weiteren Nachwahl sprach sich der Kreisparteitag schließlich einstimmig für Gudrun Eufinger aus Niebüll als neue dritte stellvertretende Kreisvorsitzende aus. Für den damit vakant gewordenen Posten einer Europabeauftragten wählten die Mitglieder schließlich Gabriele Günther aus Rantrum zur neuen Beisitzerin in den Kreisvorstand. Sie setzte sich dabei gegenüber Jörn Kieback durch.

Kreisparteitag beschließt über zwei Anträge

Im Rahmen der Antragsberatungen wurden dem Kreisparteitag zwei Anträge zur Beschlussfassung vorgelegt. Mit deutlicher Mehrheit wurde ein Antrag an den Landesparteitag beschlossen, nach dem sich die Landes-FDP für die Beibehaltung des Richtervorbehaltes bei körperlichen Eingriffen, wie Blutentnahmen, durch Ermittlungsbehörden einsetzen soll. Cord Weber hatte den Antrag mit dem Hinweis begründet, dass es sich dabei um ein kernliberales Thema der Bürgerrechte handele.

Ohne Gegenstimme wurde schließlich ein Strategiepapier zum Netzausbau an der Westküste beschlossen, dass die gemeinsame Arbeitsgruppe der beiden FDP-Kreisverbände Nordfriesland und Dithmarschen erarbeitet hatte. Rüdiger Kohls begründete den Antrag, der aus intensiven Beratungen der Arbeitsgruppenmitglieder Oliver Kumbartzky und Finn Brandt aus Dithmarschen, Hermann Schaefer, Lothar Knoll, Ulrich Mittendorf und ihm selbst entstand. Der gleichlautende Antrag solle so auch auf dem Kreisparteitag Dithmarschens beschlossen werden.

Kreisparteitag verabschiedet Kurt Eichert mit stehenden Ovationen

Zum Ende des Kreisparteitages ergriff Kurt Eichert noch einmal das Wort, um sich bei Godber Kraas, Jörg Tessin und dem gesamten Kreisvorstand zu bedanken:

„Vielen Dank lieber Jörg, lieber Godber, ich habe mich über Eure Worte sehr gefreut, sie haben mich sehr berührt! Ich danke dem ganzen Vorstand: Nichts wäre so gut geworden ohne euch! Ihr seid ein ganz tolles Team mit Fachkompetenz und Energie. Wir werden auch wieder in Kiel wahrgenommen und in anderen Kreisverbänden. Auch von Unternehmen sind wir sehr positiv wahrgenommen worden und das ist nur euch zu verdanken! Macht so weiter, zeigt, was ihr gelernt habt! Nur miteinander können wir stark sein! Wir haben ein gemeinsames Ziel! Jens, dir eine glückliche Hand! Vielen Dank!“

Die Worte des ehemaligen Vorsitzenden wurden daraufhin mit langanhaltend stehendem Applaus bedacht, bevor der neugewählte Kreisvorsitzende Jens Kieback zum Schlußwort ansetzte:

„Liebe Parteifreunde! Wir haben ein umfangreiches Programm absolviert. Ich freue mich auf die vor mir liegende Zeit, den Kreisverband erneut zu leiten, weil Kurt ein hervorragendes Team gebildet hat, so dass ich das Glück habe, mich ins gemachte Nest setzten zu dürfen! Lassen wir uns nicht schrecken von dem Gegenwind – wir wollen die liberale Position hier vor Ort vertreten! Wir haben in der Vergangenheit manch guten Trend im Land und Bund genossen, wir müssen nun auch den schlechten Trend aushalten können! Fahren sie vorsichtig, wir brauchen sie alle!“

Ein Gedanke zu „Zwei Wahlkreis-Kandidaten, ein alter und ein neuer Vorsitzender

  • 14. November 2011 um 09:45
    Permalink

    Ein sehr kompletter und schöner Bericht über unsere Versammlung!

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