FDP-Neujahrsempfang: Minister und Majestäten – Garg und Grünkohl

Neujahrsempfang der FDP Nordfriesland
Neujahrsempfang der FDP Nordfriesland

Mit großer Freude blickt die FDP Nordfriesland auf seinen traditionellen Neujahrsempfang zurück, der am Freitag, dem 4.Februar 2011 erstmals im “Osterkrug” Husum begangen wurde. Gemeinsam mit rund 140 Gästen aus Nordfriesland, den benachbarten Kreisen und dem besonderen Ehrengast aus Kiel, dem stellvertretenden schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten und Landesminister für Arbeit, Soziales und Gesundheit Dr. Heiner Garg wurde das politische neue Jahr in entspannter Atmosphäre mit einem delikaten Grünkohlessen, den Ehrungen verdienter Mitglieder und vielen interessanten und unterhaltsamen Gesprächen ganz offiziell eingeläutet.

Auch in diesem Jahr hatte der Ehrenvorsitzende des FDP-Kreisverbandes Hans-Jürgen Becker die anwesenden Gäste herzlich willkommen geheissen, den Neujahrsempfang mit seiner Begrüßungsrede launig eröffnet und damit wie so oft den Ton für den gelungenen Abend vorgegeben. Von stürmischem Wind begleitet hatten sich die zahlreich erschienenen treuen und erstmals teilnehmenden Gäste aus Landes-, Kreis- und Kommunalpolitik den Verwaltungen, vielen gemeinnützigen Organisationen, der Wirtschaft und der Partei zur Feier der nordfriesischen Liberalen eingefunden. 
    

FDP-Kreisvorsitzender Kurt Eichert begrüßt “Minister und Majestäten”

FDP-Kreisvorsitzender Kurt Eichert hob in seinen persönlichen Grußworten an alle Gäste besonders die Anwesenden hervor, “die durch ihr ehrenamtliches Engagement in den verschiedensten Bereichen helfen, unterstützen und Verantwortung übernehmen”, bevor er im Einzelnen den Gastredner Dr. Heiner Garg, den nordfriesischen Landrat Dieter Harrsen, den stellvertretenden Kreispräsidenten Siegfried Struwe und die Bürgervorsteherin der Kreisstadt Husum Birgit Encke begrüßte und ihnen für ihr Erscheinen dankte.

Majestäten, Minister und Kreisvorsitzender Kurt Eichert
Majestäten, Minister und Kreisvorsitzender Kurt Eichert

Unter großem Applaus hielten schließlich die Überraschungsgäste des Abends Einzug: Sowohl die amtierende Kohlregentin Dithmarschens Britt Peters, die Lammkönigin Nordfrieslands Bente Petersen und die Krokusblüten-Königin Husums Annika Lorenzen verliehen dem liberalen Neujahrsempfang einen besonders schönen Akzent und machten aus dem Neujahrempfang ein “Drei-Königinnen-Treffen”. Der anschließenden Aufforderung Eicherts an alle Herren im Saal, sich zu Ehren nicht nur der drei Majestäten, sondern aller anwesenden Damen zu erheben und sie mit großem Applaus zu würdigen, wurde pflichtbewußt Folge geleistet.

Den politischen Teil seiner Rede begann Eichert mit den Worten “Wie schwankend und wankelmütig sich die politische Bühne in einer Demokratie bewegt, stellen wir ganz besonders in den letzten Jahren und ständig aufs Neue fest” und knüpfte dabei an die Anstrengungen zur Konsolidierung der Haushalte an, die nur über ein gesundes Gleichgewicht von Belebung der Wirtschaft und strengem Sparen zu erreichen sei. Das dürfe aber nicht bedeuten, dass man die Sparmassnahmen vom Bund bis zu den Kommunen durchreiche. Schließlich brauche man gerade in Nordfriesland zur Belebung der Wirtschaft eine optimale Infrastruktur aus modernen und zukunftorientierten Verkehrs- und Kommunikationswegen. Die Herstellung nur halbherzig durchzuführen, bedeute, dass Nordfriesland weiter vom Rest Schleswig-Holsteins abgekoppelt zu werden drohe. Das wolle man in Kiel nicht wirklich, mahnte der Kreisvorsitzende vor allem in Richtung der anwesenden Landespolitiker und auch mit Blick auf den demographischen Wandel, der zu zunehmend verwaisten ländlichen Räumen an der Westküste führe.

Der Vorsitzende der nordfriesischen Liberalen appellierte an die Bereitschaft zur Eigen- und Miterantwortung im gesellschaftlich-politischen Leben: Nur Teilhabe und Teilnahme mache den Bürger zum Teil des Staates. Der werde aber viel zu oft durch “mangelnde Informationskommunikation und eine völlig unsensible Wahl der angegangenen Themen in der Reihenfolge der Veröffentlichung und Präsentation durch unserer Regierenden” davon abgeschreckt und abgehalten, Politikverdrossenheit sei die Folge. “Wir Nordfriesen sind selbstbewußt, stark und leistungsfähig genug dieses zu erkennen und uns ggf. anders zu entscheiden oder uns zu wehren! Und wenn es erforderlich wird, packen wir aktiv entsprechende Massnahmen an!” betonte Eichert und stellte die erfolgreiche Arbeit des Kreisverbandes heraus: “Wir als FDP Nordfriesland können mit Freude feststellen, das es die Menschen und Unternehmen hier in der Region sehr positiv begrüßen, das es eine Partei gibt – nämlich die FDP – die sich auch außerhalb der Wahlzeiten um sie kümmert, mit ihnen spricht und ggf. Hilfe anbietet, ohne dabei Ergebnisversprechungen zu machen. Diese Ehrlichkeit wird von unseren Gesprächspartnern sehr geschätzt und gelobt. Wir hier in Nordfriesland lieben die Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit, wenn man uns auch manchmal als stur und dickköpfig hinstellt. Die FDP Nordfriesland hat damit begonnen anders zu sein. Meine Mitstreiter im Vorstand leben Politik. Sie kommunizieren mit unseren Ortsverbänden, mit Firmen in ihrem Wohnumfeld; besuchen Vereine, Organisationen, kommunizieren zum Beispiel auch mit der Agentur für Arbeit und sind tätig in Arbeitsgruppen, um etwas zu entwickeln, um darauf aufzubauen und in die Zukunft zu denken!” So dankte Eichert seinem Vorstandsteam “voller Stolz” für das Engagement, sich zum Wohle der Bürger mit Ideen, Vorschlägen und Taten einzumischen.

Mit besonderem Stolz berichtete Kurt Eichert im Anschluß daran, dass seit dem 22. Januar 2011 die Landesgeschäftsstelle der FDP Schleswig-Holstein den Namen eines großen nordfriesischen Liberalen trägt: Mit der Einweihung des Hauses im Kieler Eichhof wurde das Gebäude nach dem verstorbenen Uwe Ronneburger benannt. Eichert begrüßte aus diesem Anlass auch ganz besonders seine Frau Luise Ronneburger, die selbst 40 Jahre FDP-Mitglied, dafür bereits durch den Landesvorsitzenden Jürgen Koppelin mit der Theodor-Heuss-Medaille ausgezeichnet wurde und dafür nachträglich die Glückwünsche aller Anwesenden entgegennahm. Guter Tradition folgend wurden anschließend auch Wiltrud und Godber Kraas für Ihre 25-jährige Parteimitgliedschaft ausgezeichnet. Besondere Anerkennung für seine Treue wurde schließlich Hans-Erich Vollmer zuteil, der bereits auf 60 Jahre aktive Parteimitgliedschaft zurückblickt.

25 Jahre Parteimitgliedschaft: Wiltrud und Godber Kraas - 60 Jahre Parteimitgliedschaft: Hans-Erich Vollmer
25 Jahre Parteimitgliedschaft: Wiltrud und Godber Kraas - 60 Jahre Parteimitgliedschaft: Hans-Erich Vollmer

Eichert beendete seine Rede mit einer ganz persönlichen Anmerkung des Dankes an seinen Hausarzt, alle beteiligten Rettungskräfte und vor allem einer Liebeserklärung an seine Frau dafür, dass sie durch ihr aufmerksames Eingreifen schlimmeres verhinderten, als er im März vergangenen Jahres aufgrund einer schweren Erkrankung nur knapp dem Tod entkam.
  

Fraktionsvorsitzende Heide-Marie Rasch gibt Einblick in die Kreistagsarbeit

Mit einem Blick auf drei Aspekte der bisherigen Arbeit der FDP-Fraktion im Kreistag versah Fraktionsvorsitzende Heide-Marie Rasch im Anschluss ihr Grußwort an die anwesenden Gäste.

Mit Sorge blicke sie auf die finanzielle Lage des Kreises, dessen Haushalt durch die hohen bundes- und landesgesetzlich vorgegebenen Sozialausgaben von etwa 170 Mio. Euro bestimmt sei. “Diese hohen Sozialausgaben gehen zu Lasten anderer wichtiger Politikfelder. Solange wir hier nicht gegensteuern, können wir unsere Staatshaushalte nicht konsolidieren!” Das Konsolidierungsprogramm der Landesregierung habe massive Auswirkungen auf die Kreise gehabt. Manch gemeinnützige Organisation habe den Verlust der Landeszuwendungen zu spüren bekommen und einen Ausgleich vom Kreis gefordert. “In manchen Fällen hat der Kreis einen teilweisen finanziellen Ausgleich gewährt. Um weiteren Begehrlichkeiten vorzubeugen, hat die FDP-Fraktion sich im Kreistag für einen Beschluss eingesetzt, der vorsieht, dass Zuschüsse, die den Wegfall der Landesmittel ausgleichen sollen, nicht gewährt werden. Leider wurde dieser konsequente Antrag durch Zusätze abgeschwächt.”

Fraktionsvorsitzende Heide-Marie Rasch
Fraktionsvorsitzende Heide-Marie Rasch

Auch die Zuschüsse zu den Kosten der Schülerbeförderung seien durch die dringende Haushaltskonsolidierung betroffen. Das Land habe seinen Anteil erheblich gekürzt und erwarte, dass diese Kürzung von den Eltern, nicht aber von den Kommunen, ausgeglichen wird. Was folge sei ein Schwarzer-Peter-Spiel, bei dem der Landtag die bessere Ausgangsposition habe, in dem es entschied, dass es zwar eine Elternbeteiligung geben solle, dessen Höhe aber durch die Kreise bzw. Kommunen selbst festzulegen sei. “Jetzt steckt also der Schwarze Peter bei den Kommunen. Der Kreis muss jetzt eine Elternbeteiligung festlegen, die hoch genug ist, damit der Haushalt nicht zu sehr strapaziert wird, andererseits darf die Elternbeteiligung nicht so hoch sein, dass sie den Familien wehtut. Hier haben wir demnächst einen Kompromiss zu finden!”

Das beim Ausbau der Erneuerbaren Energien in Nordfriesland die Interessen der Investoren mit den Interessen der Bürger und Vebraucher besser abgewogen werden müssen, machte Rasch schließlich beim letzten Punkt ihrer Rede deutlich. Die FDP habe stets eine positive Wirtschaftsentwicklung durch weniger staatliche Eingriffe in die Wirtschaft, den Abbau der Subventionen und “Mehr Netto vom Brutto” gewollt, die aber gerade im Bereich der Windenergie nicht einfach zu erreichen sei.  “Das Kreiskonzept Windkraft ist ein Kompromiss, es ist ein tragfähiger Kompromiss und deswegen hat sich die FDP-Fraktion in ihrer Mehrheit dafür ausgesprochen, diesen Kompromiss anzunehmen und keine Ausnahmen zuzulassen.”
  

Siegfried Schulze-Kölln überbringt Grüße des Husumer Ortsverbandes

Für den Ortsverband Husum ergriff schließlich der amtierende Vorsitzende der FDP-Fraktion in der Husumer Stadtvertretung, Siegfried Schulze-Kölln, Rednerpult wie ein kurzes Wort zum Gruße, um die anwesenden Gäste willkommen zu heißen. Dabei nutzte er die Gelegenheit, den Bürgermeisterkandidaten von FDP, SPD und SSW in der Stormstadt, Uwe Schmitz zu begrüßen und vorzustellen und verkniff sich dabei nicht einen kleinen Seitenhieb auf die Bemühungen der Husumer Wirtschaft, durch einen öffentlichkeitswirksamen Aufruf im Internet zu Bewerbungen aufstrebender Führungskräfte für den Posten des “gecasteten Super-Bürgermeisters” aufzurufen. In Richtung des Landessozialministers beklagte Schulze-Kölln die Belastungen gerade im Sozialbereich, insbesondere dem Punkt der Eingliederungshilfen, die die Kommunen beschweren.
  

Stellvertretender Ministerpräsident Dr. Heiner Garg will eigenständiges Schleswig-Holstein

Gastredner Dr. Heiner Garg
Gastredner Dr. Heiner Garg

Mit “Grünkohl und Garg” ging es schließlich weiter: Nach dem Grünkohlessen, dass weithin gelobt wurde, begab sich schließlich der stellvertretende Ministerpräsident und Minister für Arbeit, Soziales und Gesundheit, Dr. Heiner Garg ans Rednerpult, um in Reaktion auf den zuvor erlebten Abend die auf 33 DinA5-Karten sorgsam vorbereitete Grundsatzrede zur “Sozialen Gerechtigkeit” kurzerhand in den Wind zu schießen, der zur gleichen Zeit außerhalb des gefüllten Saales tobte. “Ich werde die geschliffene Rede zur sozialen Gerechtigkeit nicht vortragen, sondern versuchen, offen und mit ihnen zu reden!”, begann Garg eine zwischen gebotener Nachdenklichkeit und tiefsinnigem Humor ausgewogenen Rede. In Replik auf die Anspielungen Schulze-Köllns wünschte er der Stadt Husum, dass die Initiative der Wirtschaft positive Effekte auf die Wahlbeteiligung haben möge: “Wäre es nicht klasse, wenn dadurch das Interesse an der Bürgermeisterwahl geweckt würde, so dass auch viele Bürger zur Wahl ihres Bürgermeisters gehen würden?” Wenn man dieser Tage nach Tunesien und Ägypten schaue und die Menschen dort um ihre demokratische Teilhabe kämpfen sehe, müsse jedem klar sein, wie sehr wir es im wiedervereinigten Deutschland schon wieder als selbstverständlich hinnehmen, zur Wahl gehen zu dürfen und eine Wahl zu haben. Aus dem demokratischen Recht erwachse angesichts der Situation in Nordafrika eine zumindest moralisch vornehme Pflicht dieses Recht auch wahrzunehmen, das ein so zentraler Bestandteil unserer Freiheit sei: “Freiheit ist mehr als ein Wort, das Rainer Brüderle auf einem Marktplatz in Mainz in den Mund nimmt! Anderswo werden Leute davon abgehalten, ihre Freiheit wahrzunehmen, ihre Meinung, ihre Religion, ihr Anderssein zu leben!”

Selbstkritisch, aber auch mit deutlichen Worten in Richtung Bundespartei beleuchtete Garg schließlich den Zustand der FDP gerade mit Blick auf die schlechten Umfragewerte: “Es war nicht unser Anspruch, um das parlamentarische Überleben kämpfen zu müssen! Ich werde es mir nie verzeihen, einen großen Fehler gemacht zu haben – Auch ich habe es zugelassen, dass die Bundespartei nur mit einem Thema wahrgenommen worden ist, dieses schlimme “Einfacher. Niedriger…”. Die Steuerpolitik ist doch nur ein Bruchteil unseres politischen Angebotes! Aber wir haben es zugelassen, uns nur mit diesem Thema verbinden zu lassen. Dann darf man es nicht übel nehmen, wenn man die demoskopische Quittung bekommt!”

Zur Arbeit der Landesregierung leitete der Landessozialminister mit einer persönlichen Anmerkung über: “Ich wollte das Ressort ums Verrecken haben, um zu zeigen, dass wir eben mehr können als nur Steuern! Und dann kommt die Haushaltskonsolidierung…” Der Etat seines Ministeriums umfasse etwas mehr als 1 Mrd. Euro. “Das klingt viel! Der Landeshaushalt umfasst ungefähr 8 Mrd. Euro. Aber von den 1 Mrd. Euro sind ca. 750 Mio. Euro bundesgesetzlich gebundene Leistungen, da können wir gar nicht kürzen!” Sein Ministerium sei eines von nur zwei Ressorts, dessen Etat trotz des Sparhaushalts in erheblicher Summe gestiegen sei, Dass dennoch Kürzungen erfolgten, sei eine Zwangsmaßnahme gewesen, weil man sonst den großen Brocken des eigenen Anteils nicht habe gewährleisten können. “Wir brauchen für unseren Wohlstand Wachstum und Steuereinnahmen, um das zu bezahlen!” Die Sozialdemokraten hätten zwar Vorschläge gemacht, die bei jährlich benötigten 125 Mio. Euro aber nur 24 Mio. Euro eingebracht hätten, der Rest solle über Bundesratsinitiativen eingeholt werden. Die Grünen hätten nach ihren Vorstellungen gar mehr ausgeben wollen. “In der Opposition kann man sich getrost verstecken, in der Regierung müssen wir den Kopf hinhalten! Wir haben den Mut dazu gehabt!”

“Ich bin mir ziemlich sicher, die Kommunikation hätte besser laufen können und müssen! Die Menschen verstehen, wenn man erklärt, mit welchen Perspektiven man das tut! Doch was sind die Perspektiven des Landes nach dem Jahr 2020? Ich möchte, ich will, verdammt nochmal, dass das Land ein eigenständiges Land zwischen den Meeren bleibt!”, sprach sich Garg ausdrücklich gegen ein Aufgehen Schleswig-Holsteins in einen Nordstaat aus.

Zur angesprochenen Eingliederungshilfe erklärte Garg, die Reform sei ein Erfolg: “Es ist die größte Kommunalisierung in der Geschichte dar, denn es ist nun dort, wo sie hingehört, denn wo die Menschen leben, gehört sie hin!” Es habe zwar nicht das öffentliche Interesse gefunden, aber bedeute, die Hilfsleistungen abzusichern und bedeute, dass die Menschen mit Behinderungen weiterhin Teilhabemöglichkeiten haben.

Stv. Ministerpräsident Dr. Heiner Garg
Stv. Ministerpräsident Dr. Heiner Garg

Angesichts der zuvor vorgenommenen Ehrungen an langjährige Mitglieder, blickte Garg sodann auch auf seinen Weg innerhalb der Partei zurück: “Ich habe mein 25-jähriges in drei Jahren, mal gucken, ob mein Kreisverband daran denkt!” Er sei einen Tag nachdem Hans-Dietrich Genscher Ende September 1989 auf dem Balkon der Deutschen Botschaft in Prag die Ausreise für die im Garten der Botschaft campierenden DDR-Flüchtlinge verkündet hatte, eingetreten, “weil das Angebot der FDP ein realistisches Angebot sei und kein religiöser Glaube oder das allein seelig machende Dogma”. “Daher stört es mich, dass das politische Personal glauben macht, das alles alternativlos sei oder dogmatisch! Das ist nicht liberal! Wir müssen wieder anfangen, Politik mit den Menschen zu machen, statt über ihre Köpfe hinweg! Wir müssen uns anstrengen, uns nicht hinter Fachchinesisch oder politischem Kauderwelsch zu verstecken! Ich kann diese Leerfloskeln wie “Nachhaltigkeit” und ähnliches Gedöns nicht mehr hören!”

“Ich sollte ja letztes Jahr auch schon hier sein!”, richtete Garg sein Wort schließlich an die Parteifreunde des Kreisverbandes. “Dadurch das sie mich damals haben ziehen lassen, haben Sie ein kleines Stück dazu beigetragen, dass wir im Bund etwas Großes hinbekommen haben!” Nachdem das Bundesverfassungsgericht die ARGE-Mischverwaltungen für verfassungswidrig befand, habe man vor dem Problem gestanden, entweder die eingespielten Teams wieder auseinanderzureissen oder eine Grundgesetzänderung herbeizuführen. “Am 17. Dezember 2009, ich war zwei Monate im Amt, bin ich zur “Homburger Runde” mit den stellvertretenden Ministerpräsidenten der FDP gefahren, am Tag vor der entscheidenden Bundesrats-Sitzung. Ansonsten sind in der Runde die Wirtschaftsminister und Justizminister der Länder vertreten und so ein bunter Vogel wie ich als Sozialminister”. Er habe klar gemacht, dass man ein Problem habe, wenn 7,3 Mio. Bundesbürger, 250.000 aus Schleswig-Holstein Anfang des Jahres 2011 ihre Leistungen kriegen müssen: “Wir müssen dafür sorgen, dass sie das auch bekommen!” Es habe die Übereinkunft gegeben, einen letzten Anlauf zu einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe zu unternehmen, um eine Lösung herbeizuführen. “Das erste Treffen fand just am Tag ihres Neujahrsempfangs statt! Ich habe auf die Schnelle Wolfgang Kubicki gebeten, mich zu vertreten. Bis zum folgenden Morgen um halb vier haben wir den Knoten schließlich durchgeschlagen! Daran sind sie alle nicht ganz unschuldig!” Dies beweise, dass die Geschlossenheit der FDP in Schleswig-Holstein die Stärke der Liberalen sei.

Schließlich skizzierte der Landessozialminister seinen Plan für ein “Bündnis für Teilhabe”, dass er mit der Wirtschaft schmieden möchte: Er habe relativ früh zu beginn seiner Amtszeit Uli Wachholtz, den Chef der Vereinigung der Unternehmerverbände in Schleswig-Holstein und Hamburg (UVNord) zu sich eingeladen. “Wirtschaft und Soziales gehören zwingend zusammen!” Beide zusammenzubringen, um noch stärker zusammenzuarbeiten könne für beide Seiten von Vorteil sein. Das Bild der Wirtschaft werde aktuell geprägt von den Dr. Nonnenmachers – “Das ist eine Zumutung!”,so Garg deutlich. Denn Wirtschaft finde zuerst vor Ort statt, z.B. im Handwerk. Daher habe er Wachholtz seine Idee eines “Bündnisses für Teilhabe” präsentiert, “um Kindern und Jugendlichen gezielt unter die Arme zu greifen, die durchs Raster zu fallen drohen und ihre Begabungen und Talente zu fördern!” Er habe sich u.a. mit Handwerkskammern und dem türkischen Arbeitgeberverband zusammengesetzt und hoffe, dass das Bündnis bis Mitte des Jahres an den Start gehen kann. Wo dieses Bündnis helfen kann, machte Garg an einem Beispiel deutlich: “Was nutzt den Kleinen die durch die neue Bildungs-Chipkarte ermöglichte Mitgliedschaft in einem Fußballverein, wenn sich die Eltern die teuren Fußballschuhe nicht leisten können? Da greifen wir mit dem Bündnis ein!”

Kurt Eichert und Dr. Heiner Garg
Kurt Eichert und Dr. Heiner Garg

Nachdem Garg zuvor einem anwesenden, laut niesenden Gast “Gesundheit” gewünscht hatte, “weil ich ja auch Gesundheitsminister bin”, erklärte er schließlich zur Vergütung ärztlicher Leistungen, dass er auch gegen die Politik von Bundesgesundheitsminister und Parteifreund Philipp Rösler für eine bundesweit gleiche Vergütung der Leistungen kämpfen werde: “Das UKSH hätte die finanziellen Probleme nicht, wenn es für ihre Leistungen die gleiche Vergütung bekäme, wie Hamburger Kliniken!”

Zum Schluß vertrat Garg seine Auffassung für einen Mindestlohn für Zeitarbeit, mit dem er auch in der eigenen Fraktion bereits angeeckt sei. “Können wir es wirklich ertragen, dass ausgebildete Frisörgesellinnen an der deutsch-polnischen Grenze einen Euro die Stunde bekommt? Wir brauchen eine Lohnuntergrenze, um dem Missbrauch einen Riegel vorzuschieben!” Es dürfe nicht an der Tarifautonomie gerüttelt werden, aber die Freizügigkeit innerhalb der EU habe zu einem exzessiven Missbrauch der Leiharbeit geführt. “Wir brauchen keinen Mindestlohn am grünen Tisch für alle Branchen, aber als Missbrauchsschutz schon! In dieser Frage werde ich weiter querdenken! Nicht hinterher denken, sondern vorpreschen mit einer guten Idee! Wir sind schneller, innovativer, pfiffiger! Wir sind diejenigen, die die Keimzelle der Kreativität sind und bleiben müssen!”

Dr. Heiner Garg und Hans-Jürgen Becker
Dr. Heiner Garg und Hans-Jürgen Becker

Mit persönlichen Worten des Dankes an Hans-Jürgen Becker, der ihn zu Beginn seiner politischen Karriere in Kiel unter seine Fittiche genommen und ihm sehr oft seine nordfriesische Heimat nahegebracht hatte, beschloss Garg seine Rede und bot sich auch für die kommenden Wahlkämpfe an: “Wir können mehr, wir wollen mehr und wir werden mehr bekommen, als 5 bis 6%!”, zeigte sich der stellvertretende Ministerpräsident unter großem Applaus entschlossen. Mit dem Dank für sein Erscheinen schloss Kreisvorsitzender Kurt Eichert schließlich den offiziellen Teil der Veranstaltung ab, der mit vielen anchließenden Gesprächen an den vielen Tischen schließlich später ausklang.

Der Bericht der Husumer Nachrichten ist auch online abrufbar.

2 Gedanken zu „FDP-Neujahrsempfang: Minister und Majestäten – Garg und Grünkohl

  • 15. Februar 2011 um 12:27
    Permalink

    Lieber Verfasser dieses tollen Artikels,
    ich sage herzlich Dank für die Mühe und die detailierte Wiedergabe des Veranstaltungsablaufes. Über die persönliche Erwähnung habe ich mich sehr gefreut. Dir und Kurt Eichert noch einmal herzlichen Glückwunsch für diesen gelungenen Abend, den unser Landrat als mittlerweile “Kultveranstaltung in Nordfriesland” (Siehe Eintrag im Gästebuch 2010) bezeichnet. Weiter so!
    Hans-Jürgen Becker

  • 15. Februar 2011 um 13:33
    Permalink

    Lieber Herr Becker,

    vielen Dank für Ihren Kommentar und für das Lob!

    Auch an dieser Stelle sei Ihnen großer Dank für Ihr großartiges Wirken ausgesprochen! Das diese Veranstaltung über die Jahre “Kult” geworden ist, haben Sie in erheblichem Maße zu verantworten. Daher gebe ich meiner – und ich weiß vieler anderer Partei- und Vorstandsmitglieder – Hoffnung Ausdruck, dass Sie auch zukünftig wenigstens als Conferencier und “Master of Ceremony” zur Verfügung stehen, auch wenn Sie und Ihre Frau, der ein ebensolcher Dank gilt, die organisatorischen Pflichten in andere Hände übergeben.

    Mit besten Grüßen,

    Ruediger Kohls

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