Ein Zwischenruf zur aktuellen “Hartz-IV”- Diskussion

Leserbrief Kurt Eicherts zur öffentlichen Debatte um “Hartz-IV” im Nachklang zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 9.Februar 2010:

Es ist bedrückend welches Ausmaß die Diskussion um Hartz IV Bezieher genommen hat.

Es stellt sich dar, als würden diese Menschen diejenigen sein, die unseren Staat in den Bankrott geschickt haben. Natürlich muss auch Hartz IV auf den Prüfstand. Es ist richtig, dass es eine kleine Minderheit gibt, die sich auf Kosten der Solidargemeinschaft ausruht. Ich kann es nicht gutheißen, aber es gab sie schon immer.

Fast alle haben über ihr halbes Leben am Aufbau unseres Staates mitgewirkt und ohne zu murren in die Solidarkasse eingezahlt. Wurden in den meisten Fällen ohne Schuld arbeitslos und werden jetzt ins soziale Abseits geschickt. Werden gleichgestellt mit Menschen, die noch nie gearbeitet haben. Ist das sozial? Sind denn ausreichend Arbeitsplätze vorhanden? Unternehmen sparen zuerst am Personal (die verbliebenen Arbeitnehmer müssen oft für weniger Lohn mehr arbeiten und die Kapazitäten der entlassenen Kollegen mit leisten).

Es ist ja so leicht über Menschen zu urteilen und zu verurteilen, wenn man nicht selbst in der Situation war oder Menschen in seinem Umfeld hat, die solche Zeiten durchlebten und erleben. Aber ich frage mich, warum kochen die Gemüter nicht so hoch,

  • wenn es um „Subventionsjunkies“ geht? Wie haben es nur unsere Väter geschafft, Unternehmen ohne Unterstützung des Staates erfolgreich zu placieren?
  • wenn es Unternehmen gibt, die bewusst die Löhne niedrig halten und der Staat zahlt in Form von Wohngeld und ALG II die Differenz?
  • wenn der Staat das größte „Spielerparadies“ für Abenteurer nämlich einige Banken – mit gewaltigen finanziellen Beträgen stützt.

Die Politik der vergangenen beiden Legislaturperioden (Rot-Grün und Schwarz-Rot) haben erst eine hervorragende Basis für den heutigen Zustand geschaffen. Nun frage ich sie, sehr verehrte Leser: “Was muss am dringendsten auf den Prüfstand?“ Die jetzige Regierung tut gut daran die Ursachen in der Wirtschaft anzugehen, denn dann werden sich die meisten Probleme von selbst erledigen.

Verschwenden wir nicht die Zeit damit, auf die sozial Schwächsten einzuschlagen, sondern beseitigen wir die Auswüchse in der Wirtschaft.

Kurt Eichert

6 Gedanken zu „Ein Zwischenruf zur aktuellen “Hartz-IV”- Diskussion

  • 19. Februar 2010 um 18:03
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    Bravo, endlich mal einer der das Kind beim Namen nennt.
    Weiter so

  • 21. Februar 2010 um 11:59
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    Problematisch wird es immer, wenn jemand etwas sagt, was eigendlich stimmt, aber gesellschaftlich als kritisch bis unzumutbar angesehen wird. Besonders auf die Art der Formulierung kommt es an.
    Ich denke, dass Herr Westerwelle schon auf dem richtigen Weg ist, aber in seiner Rede viele Menschen über einen Kamm schert.
    Ich hoffe, dass sie Herr Eichert, auf regionaler Ebene, noch mehr erreichen mit Ihrer Einstellung. Denn auf “hoher Ebene” wird sich wohl kaum einer der Politiker das Eis unter den Füßen wegschlagen. (Welches eh schon sehr dünn ist)
    Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg.

  • 24. Februar 2010 um 13:11
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    Ich persönlich finde mich zwischen den Positionen von Herrn Eichert und Herrn Westerwelle wieder.
    Es wurde Zeit, dass mal jemand (Hr. Westerwelle) die Diskussion um die Empfänger sozialstaatlicher Leistungen neu belebt, und gegen den sozialistischen Mainstream argumentiert, an den wir uns in den letzten Jahrzehnten gewöhnt haben, da die Macher der veröffentlichten (!) Meinung in der Mehrzahl diesem sozialistischen Gesellschaftsmodell anhängen oder anhingen. Aber es ist auch immer an der Zeit, dass uns jemand (Hr. Eichert) auf den Boden der menschlichen Anteilnahme zurückholt. Schön, dass die FDP eine Partei ist, in der man beide Meinungen nicht nur haben, sondern auch veröffentlichen darf.

  • 25. Februar 2010 um 16:48
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    Ich bin lange schon FDP-Wähler. Ich habe die FDP immer als eine Partei gesehen, die sich einen Sachverhalt von allen Seiten anschaut. Guido Westerwelle tritt sehr einseitig eine Lawine los.
    Ich bin äußerst froh, sehr geehrter Herr Eichert, dass es auch solche Menschen in der FDP wie Sie gibt, die analytisch an entsprechende Themen herangehen, alle Seiten ansehn und nicht nur draufhauen.
    Ich wünsche Ihnen, dass es in ihrem Tätigkeitsbereich viele Unterstützer ihrer Arbeit in der Politik gibt.
    Weiter so!!!!!!

  • 25. Februar 2010 um 19:25
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    Sehr geehrte Kommentatorinnen und Kommentatoren,
    ich freue mich sehr über die positive Resonanz.
    Mir ist es eine Herzensangelegenheit in unserem unterschiedlich strukturierten Kreisverband die Sensibilität für Sachverhalte und Meinungen zu wecken und den liberalen Gedanken aktiv am Leben zu erhalten.
    Ich kann Ihnen versichern , wir werden eine gute, sachbezogene und liberale Politik erarbeiten, denn wir möchten im Grunde alle das Gleiche, nur mit unterschiedlichen Wegen dort hin, aber ich werde alles daransetzen, dass wir auf vielen Wegen ein gemeinsames Ziel erreichen.
    Sie sind herzlich eingeladen uns zu unterstützen.
    Ihr Kurt Eichert

  • 26. Februar 2010 um 11:03
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    Ich habe Ihren Artikel gelesen und finde ihn absolut treffend.
    Alle Bereiche, die durch staatliche Gelder gefördert werden, müssen genauso überprüft werden, wie Hartz IV.

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