Nachteilsausgleich bei Prüfungen vor der HK IHK

Aus dem Protokoll der Kreistagssitzung am 15.12.1017

Beratung und Beschlussfassung über eine Aufforderung an die Industrie- und Handelskammer Flensburg und die Handwerkskammer Flensburg zur
Gleichbehandlung von Auszubildenden mit Migrationshintergrund bei Prüfungen

Der Abg. Tessin stellt den Antrag der FDP-Fraktion vor.

Der Kreistag beschließt einstimmig:
Der Kreistag Nordfriesland fordert die für die Umsetzung von Prüfungsbedingungen
zuständigen Vertreter der Industrie- und Handelskammer Flensburg und der
Handwerkskammer Flensburg auf, sich umgehend für eine stärkere Unterstützung von
Auszubildenden mit Migrationshintergrund einzusetzen, und zwar im Rahmen eines
„Nachteilsausgleichs für Auszubildende mit Migrationshintergrund“.
Es gilt, Prüfungen für diesen Personenkreis künftig formal und/oder zeitlich so zu
modifizieren, dass der Prüfungsteilnehmer möglichst wenig eingeschränkt wird, z.B. durch
Änderungen bei der Prüfungs-Zeit (Zeit-Verlängerung, mehr Pausen, längere Pausen),
Änderungen der Prüfungsform (mündliche Prüfung statt schriftlicher Prüfung) u.ä..

FDP Redebeitrag zum Antrag:

Auszubildende müssen bei der jeweils zuständigen Kammer ihre Teilnahme an der Zwischen– oder Abschlussprüfung beantragen. Mancher Auszubildende kann nachweisen, dass er Legastheniker ist, d.h. unter einer Lese-Rechtschreibschwäche leidet und daher große Schwierigkeiten im Textverständnis und beim schriftlichen Formulieren hat. Prüfungskommissionen können einen Nachteilsausgleich in Form von zusätzlicher Prüfungszeit bei (schriftlichen) Prüfungen gewähren. In der Praxis geschieht das sehr oft. Fachliche und qualitative Anforderungen an die Prüfungsteilnehmer werden dadurch nicht verringert. Geprüfte Inhalte werden nicht verändert. Die Prüfungsleistungen der Auszubildenden mit Lese-Rechtschreibschwäche werden nicht besser bewertet als die der anderen Prüflinge.

Begründet ein Auszubildender, der unter vergleichbaren Problemen leidet wie ein Legastheniker, seinen Antrag aber damit, dass Deutsch nicht seine Muttersprache ist, wird seine Prüfungszeit nicht verlängert. Man erlaubt ihm unter Umständen, ein Wörterbuch zu benutzen, was ihn aber auch zusätzliche Zeit kostet. Prüfungskommissionen (der IHK und der HK) begründen ihre Ablehnung damit, dass Prüfungsbedingungen für Deutsche und Ausländer vergleichbar sein müssen.

Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund können seit einigen Jahren an allgemeinbildenden Schulen an einer sog. Herkunftssprachenprüfung teilnehmen. Sie ersetzt die eine Prüfung im Fach Englisch. Das Ergebnis fließt in die Abschlussnote ein. Die Schüler erhalten damit größere Chancen, einen guten ersten oder mittleren Bildungsabschluss zu erwerben:

Diese Möglichkeit gibt es in Schleswig-Holstein seit dem Schuljahr 2011/2012; Voraussetzung ist, dass die Schülerin oder der Schüler weniger als drei vollständige Schuljahre am Unterricht in der ersten Fremdsprache teilgenommen hat. Hier werden Benachteiligungen ausgeglichen und gleichzeitig staatlich anerkannte gleichwertige Abschlüsse vergeben. Was an Schulen möglich ist, sollte bei Prüfungen der Kammern auch möglich/umsetzbar sein.

Im Zuge der Willkommenskultur und durchaus eigennützigen Interessen der deutschen Wirtschaft erscheint hier ein Umdenken dringend erforderlich. Angesichts der Tatsache, dass die Zahl ausländischer Auszubildender bzw. Prüflinge in nächster Zeit steigen wird und viele Unternehmen händeringend ausgebildete Fachkräfte suchen, muss nach Möglichkeiten gesucht werden, Jugendliche mit vergleichbaren Problemen – unabhängig von ihrer Herkunft – gleich zu behandeln.

Im Interesse dieser jungen Menschen bitte ich um Zustimmung zu unserem Antrag.