Modellregion Wasserstoff in Nordfriesland – Artikel in den Nordausgaben des SHZ am 17.11.2017

Nordfriesland künftig Wasserstoff-Modellregion?

NORDFRIESLAND „Wir möchten nicht, dass Nordfriesland vollkommen deindustrialisiert wird“, sagt der Chef der FDP-Kreistagsfraktion, Jörg Tessin, mit Hinweis auf den jüngsten Arbeitsplatz-Verlust bei Senvion in Husum. Denn die gute wirtschaftliche Entwicklung Nordfrieslands hänge heute weitgehend von der Windkraft-Nutzung ab. Deren Zenit sei aber vermutlich erreicht. Immer mehr Anlagen würden künftig aus der Förderung herausfallen, was für die Kommunen sinkende Gewerbesteuer-Einnahmen bedeute. „Da müssen wir gegensteuern“, mahnen Tessin und der Vize-Kreisvorsitzende Ulrich Mittendorf, der bürgerliches Mitglied der Fraktion ist. Hoffnungsträger der Liberalen ist die Wasserstoff-Nutzung – „eine saubere Technik“.

Der Grundgedanke: Statt Windkraftanlagen abzuschalten oder Strom zu verschenken, so Mittendorf, sollte er vor Ort veredelt werden. Deshalb unternimmt die FDP zusammen mit den Jamaika-Partnern CDU und Grüne sowie dem SSW im Kreistag einen Vorstoß Richtung Landesregierung: Die Sektorenkopplung – die vernetzte Nutzung erneuerbarer Energien für Elektrizität, Wärmeversorgung und Verkehr – soll in einer Wasserstoff-Modellregion Nordfriesland untersucht, privilegiert und zur Marktreife gebracht werden. Ein Hintergrund: Hier gibt es bereits innovative, erfolgreich arbeitende Firmen, und auch für das Areal der Ex-Kreismülldeponie in Ahrenshöft – hier soll es eine Machbarkeitsstudie geben – bieten sich neue Ansätze. Dazu möchten die Liberalen und andere das Land zu einer Bundesrats-Initiative bewegen, damit eine Direktvermarktung von regenerativ bereitgestellter Energie möglich wird. Zudem regen Tessin und Mittendorf an, Netzentgelte künftig entfernungsabhängig zu erheben. Da sei aber wohl noch „ein dickes Brett zu bohren“, schwant den Liberalen. fu