20jähriges Bestehen der Region Sønderjylland – Schleswig

KT 06.10.2017

FDP Redebeitrag: TOP 2 – Sønderjylland – Schleswig

Fast 700.000 Menschen leben in der Grenzregion zwischen Dänemark und Deutschland; davon ca. 255.00 nördlich und ca. 440.000 südlich der deutsch – dänischen Grenze.

Aber ist es im Zuge der europäischen Integration überhaupt vernünftig, über Grenzen zu sprechen? Vermutlich muss die Antwort ‚ja‘ und ‚nein‘ lauten. Je nach Adressat sind Grenzen mal mehr und mal weniger wichtig. Eine Heimat in irgendwie – von mir aus auch historisch begründbar gezogenen Grenzen – scheint identitätsstiftend zu sein. Aktuelle Bestrebungen in Spanien belegen meine Aussage.

Junge Menschen, die die Vorzüge des freien Reisens z.B. in Form von schulischen/universitären europäischen Austauschprogrammen erlebt haben, werden eine Grenze nicht mehr als das erleben, was Ältere empfinden. Grenzen werden damit in den Köpfen eingeebnet, aber nicht unbedingt beseitigt. Dänemark bleibt Dänemark und Deutschland bleibt Deutschland. Aber bitteschön alles in einem friedlichen Europa!

Der Begriff ‚Freundschaft‘ zwischen unterschiedlichen Ländern ist nach meiner Auffassung zu hinterfragen. Sind es nicht eher gleiche Interessen, die Länder einander näher bringen?

Freundschaften entstehen – gesteuert von Sympathie – zwischen Menschen. Es gilt daher: Lasst uns Menschen einander näher bringen, damit zwischen ihnen Freundschaften entstehen. Diese können dann auf zwischenstaatliche Ebene rückgekoppelt werden.

Gleiche oder ähnliche Ziele müssen vor 20 Jahren die Initiatoren umgetrieben haben, die die Region Sønderjylland – Schleswig in Aabenraa aus der Taufe gehoben haben.

Das Ziel der Region war und ist die formalisierte Zusammenarbeit und die Verwirklichung von Aktivitäten, die die Entwicklung der Region fördern und gleichzeitig die deutsch-dänische Grenze offener machen soll – sowohl sprachlich und kulturell als auch wirtschaftlich. An den genannten Zielen sollte nicht gerüttelt werden. Aber so wie Pflanzen Licht und Wasser zum Gedeihen benötigen, muss auch die Region immer wieder mit Ideen gefüttert werden. Anderenfalls verkümmern gute zwischenstaatliche Bemühungen um gute Nachbarschaft.

Lassen Sie mich zum Schluss noch ein paar Gedanken und weitere Forderungen äußern:

– Lasst uns von Dänemark lernen, wie die Digitalisierung im Bereich öffentliche Verwaltung voranzubringen ist.

– Lasst uns gemeinsame zukunftsorientierte Projekte aus den Bereichen Wirtschaft/Soziales konkret benennen.

– Lasst uns daran arbeiten, die für uns in der Grenzregion unsägliche Maut wieder abzuschaffen. Wir sehen ja jetzt schon, dass nach dem physikalischen Prinzip ‚actio=reactio‘ auch Dänemark an die Einführung einer Maut denkt.

– An unsere Nachbarn in Dänemark richte ich die Bitte, nochmal genau darüber nachzudenken, ob Militär die richtige und einzig mögliche Lösung für eine Abschottung gegenüber dem Süden ist.

Alles in allem sollten wir in der Region Sønderjylland – Schleswig gerade auch mit einem Rückblick auf die Geschichte des letzten Jahrhunderts alles Verbindende fördern und Trennendes vermeiden.

Wir wünschen uns den Fortbestand der Region mit seinem Regionskontor in Padborg und werden uns gerne in die Diskussion um die Zukunft der Region einbringen.

Den Inhalt der ‚Husumer Erklärung‘ tragen wir vollumfänglich mit.

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(J. Tessin, Fraktionsvorsitzender der FDP im Kreistag Nordfriesland)