„Noten haben wichtige Ampelfunktion!“

Mit scharfer Kritik reagiert die FDP-Kreistagsfraktion auf die überarbeitete Vorlage eines standardisierten „Kompetenzzeugnisses“ durch das Bildungsministerium, mit dem auch an nordfriesischen Grundschulen zukünftig die Leistungen der Schüler bewertet werden sollen. Der Wunsch, die Leistung der Schüler in eine durch undurchsichtige, vom Ministerium vorgegebene Standard-Bewertungsfloskeln geschaffene Schablone zu pressen, habe mit Differenzierung, Verständlichkeit, Vergleichbarkeit und Sachgerechtheit von Leistungsbewertungen nicht das Geringste zu tun. Vielmehr, so der Vorwurf, sei die Landesregierung dabei, schleichend einen Keil zwischen Eltern und Lehrerschaft zu treiben.

Die Freien Demokraten halten dagegen an ihrer Volksinitiative „Pro Noten in Grundschulen“ fest, mit der die Landesregierung dazu bewegt werden soll, in den 3. und 4. Klassen wieder Ziffernnoten zusammen mit individuellen Beurteilungen zum Lernentwicklungsstand verbindlich einzuführen. Sie richtet sich gegen die seit dem 1. August 2014 geltende Verordnung für Zeugnisse an Grundschulen, mit der die verbindliche Notengebung zugunsten von Berichtszeugnissen grundsätzlich abgeschafft worden war. Die Freien Demokraten fordern, § 16 des Schulgesetzes durch folgenden Satz zu ergänzen: „Zeugnisse an Grundschulen sind in Klasse 3 und 4 als Notenzeugnisse mit schriftlicher Ergänzung zur Lern- und Leistungsentwicklung zu erteilen.“

Die stellvertretende Vorsitzende der FDP-Fraktion im nordfriesischen Kreistag Gudrun Eufinger ruft Eltern und Lehrerschaft in den nordfriesischen Grundschulen dazu auf, sich nicht durch das Ministerium verunsichern zu lassen und weiter an der Notenvergabe festzuhalten. Bildungsministerin Britta Ernst habe zwar zugesichert, dass den Schulkonferenzen aus Eltern und Lehrern weiter freigestellt bleibe, zu entscheiden, ob in den Jahrgangsstufen 3 und 4 oder nur in der Jahrgangsstufe 4 Notenzeugnisse mit einem ergänzenden Bericht erteilt werden sollen oder ausschließlich auf eine Leistungsbewertung in Form eines Berichts zurückgegriffen wird. Eufinger weist aber darauf hin, dass dies für Eltern und Kinder keinen ausreichenden Vertrauensschutz in den Bestand der Entscheidung gewährleiste:

„Der Haken dabei ist die Mehrheit der Lehrkräfte, die in den Schulkonferenzen vertreten ist. Die haben die ausschlaggebende Macht, sich für oder gegen Zensurenzeugnisse zu entscheiden. Also es ist abhängig von der Mehrheit der Lehrkräfte – und Mehrheiten können sich innerhalb kürzester Zeit schlagartig verändern. Also wir haben hier keine Verlässlichkeit gegeben und dass was wir wollen, ist eine langfristige Rechtssicherheit zu Gunsten unserer Kinder.“

Die Behauptung von Landesregierung und Koalition, dass Notenzeugnisse undifferenziert seien, nicht auf die Stärken und Schwächen der einzelnen Schüler eingingen und den Lernverlauf nicht dokumentierten, bildet für Gudrun Eufinger nicht die Realität ab:

„Für mich haben Noten ganz einfach eine wichtige Ampelfunktion, um den Lernerfolg schnell zu erfassen. Verständlichkeit und Vergleichbarkeit sind die wichtigsten Argumente für die Beibehaltung der Zensuren. Schüler wollen sogar Zensuren haben, um sich mit anderen messen zu können. Sie möchten selbst diese Vergleichbarkeit. Und deshalb ist es für mich nur folgerrichtig, dass auch für die Bestätigung des Lernerfolges ein Zensurenzeugnis für die meisten Kinder dazugehört.“

Dies erfordert nach Meinung der Liberalen, dass Schüler und Eltern das Zeugnis auch auf den ersten Blick verstehen. Die große Mehrheit der Schulkonferenzen habe erkannt, dass dies auf breiter Front nicht der Fall sein wird und sich die Landesregierung in dieser Frage im Irrtum befindet.

Mehr Informationen zur Volksinitiative unter www.pro-noten.de.

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