FDP Nordfriesland unterstützt „Nordfriesischen Waldappell“

Der FDP-Kreisverband Nordfriesland unterstützt den „Nordfriesischen Waldappell“ vom 16. Dezember 2012 in Lütjenholm. Der Kreisparteitag der Liberalen stimmte am 12. Januar 2013 einstimmig dafür, sich den Schlussfolgerungen der Bürgerinnen und Bürgern anzuschließen, die den Appell unterzeichneten, um dagegen zu protestieren, dass 18 Hektar Wald in der Nähe von Lütjenholm kurzerhand abgeholzt wurde, um mit der Anlage von Trockenrasen die Bedingungen zur Wiederansiedlung  einer bedrohten Falterart zu schaffen.

Am 16.Dezember 2012 hatten sich im nordfriesischen Lütjenholm ca. 120 versammelte Personen bei einer Gegenstimme dem „Nordfriesischen Waldappell“ der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Schleswig-Holstein, der Forstbetriebsgemeinschaft Nordfriesland/Schleswig, des Bauernverbands Husum-Eiderstedt und des Amts Südtonderns angeschlossen. Darin werden der Umweltminister Schleswig-Holsteins, der Landrat Nordfrieslands und die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holsteins aufgefordert,“… sich dafür einzusetzen, umgehend die Maßnahme zur Schaffung von Trockenrasen auf den Waldflächen in den Gemeinden Bargum und Bordelum zu stoppen.“ Die Waldbildung und das Windschutzprogramm – nach den beiden Weltkriegen wichtige Landschaftspflegemaßnahmen zur Verhinderung von Erosionen auf der Geest – dürften nicht beseitigt werden, um einen Trockenrasen zu schaffen. Stattdessen wurde vorgeschlagen im Dialog mit den betroffenen Bevölkerung nach einen Lösungen zu suchen.

Die Vorgeschichte stellt sich folgendermaßen dar: In der Nähe des nordfriesischen Dorfes Lütjenholm wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zum Schutz der Natur und des Dorfes auf dem Geländes des Galgenbergs die das Dorf und Ackerflächen bedrohende Wanderdüne bepflanzt. Dem hiesigen Klima angepasst setzen unsere Vorfahren mit großem finanziellen Aufwand Sitkafichten und japanische Lerchen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten wuchs ein gesunder Wald mit allen dazugehörigen Tieren und Pflanzen heran. Die Dünenbewaldung war allerdings der Stiftung Naturschutz ein Dorn im Auge. Nicht das Schutzbedürfnis des gesunden Waldes, sondern die mögliche Rückkehr des unter Schutz stehenden Scheckenfalters stand im Focus der „Naturfreunde der Stiftung“.

Galgenberg-Abholzung, Bild: Jörg Tessin

Damit sich der für das Habitat des Falters notwendige Trockenrasen auch richtig entwickeln kann, wurden jetzt 18 ha Wald in der Nähe von Lütjenholm abgeholzt und vernichtet. Weiter soll der sich über die Jahre natürlich gebildete Humus mit Planierraupen abgetragen und willigen Landwirten auf den Acker gekippt werden.  Ob die Verwüstung des Landes wirklich dazu führt, dass sich der Falter erneut ansiedelt, ist mehr als fraglich, da er sich in der Nachbarschaft, wo entsprechende Rasenflächen schon lange vorhanden sind, offensichtlich noch nicht angesiedelt hat. Das ganze Vorhaben lässt sich nur realisieren mit riesigem finanziellen Aufwand in Millionenhöhe, der von der EU und dem Land Schleswig-Holstein – und damit dem Steuerzahler –   getragen wird. Ca. 3000 Lastwagenfahrten werden nötig sein, um die abzutragende Erde abzutransportieren.

Nur dem hartnäckigen Verhandlungsgeschick der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald  mit seiner Vorsitzenden der FDP-Bundestagsabgeordneten Frau Dr. Christel Happach-Kasan ist es zu verdanken, dass zum Ausgleich für diesen Natureingriff eine Aufforstung im gleichen Flächenumfang 1:1 erfolgen muss. Jede Privatperson wird bei geringfügigen Veränderungen auf eigenem Grund und Boden ganz selbstverständlich zu entsprechenden Maßnahmen verpflichtet. Die Stiftung Naturschutz sollte davon nicht ausgenommen werden.

FDP kritisiert Planung und Umsetzung der Maßnahme

Die FDP Nordfriesland ist mit diesem Verfahren und seinem Ergebnis nicht einverstanden und kritisiert in dem Kreisparteitagsbeschluss folgende Punkte:

  • das Abholzen eines intakten Waldes im waldarmen Nordfriesland,
  • das Fehlen einer aktiven Bürgerbeteiligung unter Einbeziehung von Ortsansässigen, Bauern und Jägern,
  • die ungleiche Behandlung von Stiftung und Einwohnern Schleswig-Holsteins bei Eingriffen in die Natur.

Weiter ist die Frage nach den schützenswerten Kolonien von Waldameisen zu stellen. Wohin sind diese umgesiedelt worden? Warum hat man nicht das Übungsgelände des ehemaligen BGS, das dem abgeholzten Gebiet gegenüber liegt, in die Planungen einbezogen? Mit geringem Aufwand hätte hier die gewünschte Wirkung erzielt werden können.

Nach Ansicht der FDP Nordfriesland ist es genau dieses Verhalten der Stiftung Naturschutz, das zu einer generellen Ablehnung von Maßnahmen des Naturschutzes führt. Eiderstedt sollte für alle Beteiligten ein mahnendes Beispiel gewesen sein. Aber mit Rückenwind der mitregierenden Grünen in Kiel scheint zurzeit obrigkeitsstaatliches Verhalten ein probates Mittel zur Durchsetzung von sogenannten „naturschützerischen“ Maßnahmen zu sein. Wir von der FDP stellen uns Bürgerbeteiligung anders vor.

[Texte: Wiebke Kühl-Tessin und Jörg Tessin]

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