Für eine lange erfolgreiche Zukunft der Messe Husum spricht vieles!

Im Jahre 1989 in einer Viehauktionshalle geboren, gehört die Messe „Husum WindEnergy“ nunmehr zu den Branchen-Leitmessen der Welt. Mit ihr entstand in Husum ein Messe- und Kongress-Zentrum, das von der zuständigen Messegesellschaft erfolgreich betrieben wird und damit Begehrlichkeiten anderer Messestandorte weckt: Der offensive Versuch der Messe Hamburg, im Jahr 2014 eine eigene Veranstaltung durchzuführen, birgt im Verhältnis der beiden Bundesländer Schleswig-Holstein und Hamburg politischen Zündstoff, stellt aber auch die Messe Husum in Frage: War die Investition in den Messestandort Husum eine in eine lange oder kurze Zukunft? Eine Nachlese zur Veranstaltung „Messe Husum – Ausstellungen mit Zukunft?“ der Friedrich-Naumann-Stiftung.

Moderiert von Philipp Schulze-Kölln diskutierten am Donnerstag dem 1. Februar 2012 im NordseeCongressCentrum der Messe Husum dessen Hausherr und Geschäftsführer Peter Becker, Dr. Matthias Hüppauff von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Nordfriesland, Andreas Eichler von der IHK Flensburg und dem Unternehmen Vestas, Jürgen Pallasch von der Messe Rendsburg sowie Christopher Vogt, Landtagsabgeordneter der FDP und Mitglied im Wirtschaftsausschuss.

„Was kann getan werden, damit die Messe Bestand hat?“ war die erste Frage an den Hausherrn, den Messegeschäftsführer Peter Becker. Der hob hervor, die Messe Husum sei ein überaus authentischer Standort mit mehreren Windkraftanlagen, die man alleine sehen könne, wenn man nur aus den Fenstern des Kongresszentrums schaue. Auch sämtliche Prototypen für den Offshorewindpark-Bereich stünden in unmittelbarer Nähe. „Über 1000 Windräder stehen allein in Nordfriesland, das merkt man dieser Messe auch an!“ Der Spirit, das Zusammengehörigkeitsgefühl sei einmalig in der Welt, die Branche feiere hier die „größte Party der Windenergie“. Aber man müsse dies auch richtig einordnen: Für Husum sei diese Messe „gigantisch“, für eine Großstadt, wie Hamburg relativ klein. An Messestandorten wie Hamburg, Frankfurt oder Berlin wäre sie daher nur eine von vielen Messen. Richtig sei, dass sich die Branche weiter entwickele und sich damit auch die Anforderungen ans Messegeschäft und damit auch die ganze Region erhöhen: „Die Unterbringung, die Unterkünfte sind der Knackpunkt!“, unterstrich Becker. Als eines der größten Feriendestinationen Deutschlands mit 30.000 Hotelzimmern und doppelt so vielen Privatunterkünften würden die Betten zwar grundsätzlich reichen. „Aber was fehlt ist eine zentrale Online-Buchung! Das wäre mein größter Appell an die Region! Gehen sie auf eine touristische Infrastruktur zu, lassen sie sich online buchbar schalten!“

Die große Bedeutung der Messe für Husum und Nordfriesland strich Dr. Matthias Hüpphauf von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft heraus. Als Standort sei man bemüht, mitzuhalten im Wettbewerb mit anderen Standorten. Der Wettbewerb finde auf mehreren Ebenen statt. Wichtig seien daher Alleinstellungsmerkmale mit Zugkraft. Daher habe man ein eigenes Label „windcomm“ entwickelt, um zu zeigen, hier sind die Fachkräfte, Forscher und Entwickler. „Dazu ist eine Messe vor Ort wichtig!“

„Wenn sie einen Chinesen fragen, wo ist der Windenergie-Messestandort in Europa, der wird sagen: Husum! Über 20 Jahre ist dies gewachsen und entstanden, dass ist ein originärer Standortvorteil! Den müssen wir pflegen, der Branche hier eine Plattform bieten!“ Daher habe man einen zusätzlichen Kongress zum Thema Offshore-Windkraft durchgeführt mit 320 internationalen Teilnehmern und Fachpublikum aus 26 Nationen, die trotz teurem Eintritt nach Husum kommen – „Das ist der Ruf der Messe Husum!“

Das die „Husum WindEnergy“ eine „Wohlfühl-Messe“ insbesondere der Kunden und Hersteller ist, machte Andreas Eichler mit klaren Worten deutlich: „Ich bin ganz entspannt, was die Messe angeht! Ich finde interessant, wir diskutieren seit Monaten, was mit der Messe passiert – Ich habe eine ganz klare Meinung: Wir sollten erkennen, Husum muss sich nicht verstecken! Für die Industrie kann es nicht angehen, dass die Politik und Verbände bestimmen, wo Messen hingehen – Das machen die Kunden und die Hersteller, die Industrie! Warum findet denn in Hamburg so eine Diskussion statt? In Hamburg wurde eine Menge Geld in das Messezentrum investiert, dessen Betreiber der Hamburger Senat ist! Der Unterschied ist, das Hamburg die (Steuer-)Gelder zur Verfügung stehen!“ Dann suche man sich die Sahnestücke der Messe in Europa raus und hole sie nach Hamburg. In Husum habe man ein Messezentrum mit einem hervorragendem Ambiente: „Im Endeffekt haben wir alles richtig gemacht!“
An Peter Becker gehe nun aber eine Aufforderung: „Er hat dafür Sorge zu tragen, dass am Standort weiter investiert werden muss! Auch wir als Vestas sehen unsere große Verantwortung, wir wollen nicht, dass diese erfolgreiche Messe aus Deutschland weggeht!“ Allerdings müsse man wissen, dass man im letzten Jahr 2000MW Anlagenleistung errichtet habe, während China 15.000MW verwirklichten: „Ist die Messe hier noch richtig aufgestellt? Sie hat einen hervorragenden Ruf am Markt!“ Alle zwei Jahre, in jedem Jahr ziehe man das Fazit, es sei eines der besten Messen gewesen, die es je gab. „Unabhängig davon müssen wir wach sein, den Standort weiterentwickeln! Sorgen ausräumen, Unterbringung, Verkehrsanbindung verbessern und die Hoffnung haben, dass es nicht regnet, damit man nicht im Matsch stehen muss. „Hoffen wir, dass wir 2012 eine erfolgreiche Messe haben, dann sollte es kein Problem sein, auch 2014 weiterzumachen!“ Die Unternehmen Enercon und Vestas jedenfalls hielten Husum die Treue, wenn sich der Standort Husum weiter entwickle.

Für ähnlich offene Worte war auch Jürgen Pallasch von der Messe Rendsburg gerne zu haben. Auf die Frage, wie er die Strategie seiner Messe als Mitbewerber auf dem Messemarkt charakterisiere, erwiderte er, die Messe Rendsburg sei nie ein Konkurrent von Husum gewesen. Er sei auch Geschäftsführer der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, „unsere Ausrichtung ist getragen vom Bauernverband, die Messe ist Nebengeschäft. Wir sind nicht Konkurrenten, sondern Unterstützer, wir kommen uns nicht ins Gehege!“ Die Aufteilung der schleswig-holsteinischen Messestandorte Neumünster, Rendsburg und Husum sei gut, man unterhalte sich über Termine. „Wir haben ein ganz anderes Profil! Wir haben das Ziel, für unsere Landwirtschaft ein großes Event zu veranstalten! Aber mit Landwirtschaft und Gartenbau allein trägt sich so ein Standort nicht, daher haben wir eine Verbrauchermesse mit Schwerpunkt Ernährung als künftigen Schwerpunkt entwickelt.“ Auch erneuerbare Energien, wie Biomasse seien Themen, aber nur in sehr begrenztem Rahmen. Zentrale Zielgruppe seien weiterhin die Landtechnik und Viehhalter: „Gute Tierwelt und Technik, die man bei uns auf der Messe kaufen kann! Man darf nie danach schielen, was andere haben! Wir unterscheiden uns in den Alleinstellungsmerkmalen!“

Auf die Frage, was die Landespolitik für den Standort Husum tun könne, antwortete der Landtagsabgeordnete Christopher Vogt mit einem klaren Bekenntnis zu Husum: „Husum ist anders aufgestellt als Hamburg. Hier werden sehr spezielle Messen angeboten, die weltweit bekannt und geschätzt sind. Die Situation mit Hamburg hat die Landespolitik erstaunt. Ich bin nicht gegen Wettbewerb. Aber hier ist es gewachsen, in Hamburg wird mit Geld gelockt! Die Art und Weise ist ein bisschen komisch gewesen: Während einige noch vom Nordstaat reden, haut uns Hamburg die Torte ins Gesicht. Wir müssen uns nicht wegducken! Wir haben nicht viel zu verteilen! Hamburg ist eine staatliche Messe, hier eine privat getragene und gewachsene Messe: Hier ist die Windenergie zu Hause! Hamburg wird sich ins eigene Knie schießen, wenn man so weitermacht! Mal gucken, wie es ausgehen wird!“

Andreas Eichler nahm den Faden auf: Man dürfe nicht vergessen, dass sich Hamburg auch als Wirtschaftsstandort die regenerative Energiebranche bereits herausgepickt habe und etabliert sei. Auch Vestas habe 135 Fachkräfte in Hamburg: „Wir sind gezwungen, im internationalen Wettbewerb die Standorte zu suchen!“ Der Senat sei dann schnell dabei zu sagen, „Wir wollen die Messe haben, die Unternehmen sind ja schon hier!“ „Der Senat hat sich weit aus dem Fenster gelehnt und muss sehen, nun ohne Gesichtsverlust da raus zu kommen!“

„Hamburg ist so dreist, die Messe zur gleichen Zeit zu veranstalten – darunter leiden nicht wir, sondern die Zulieferindustrie! Parallel ausstellen geht nicht, die Industrie muss sich im Vorwege einigen, sonst leidet sie!“ Wenn zwei sich streiten, freue sich der nächste.Er sehe durchaus die Gefahr, das ein ganzer Industriebereich so lahm gelegt wird!

Auf die Frage, was die künftige Strategie für die Messe Husum sei und ob es einen Plan B gäbe, wenn man die Windmesse verliere, entgegnete Becker, man mache sich seine Gedanken, um im Wettbewerb zu bestehen. Ziel werde es sein, in diesem Jahr eine „exzellente Windmesse“ zu schaffen! „Wir feiern im Jahr 2014 25. Jubiläum! Wir wären schlecht beraten, dass nun aufzugeben! Die Hersteller hätten die Chance beide Messe zu bespielen, aber die kleinen Mittelständler haben ein Riesenproblem! Ich würde mir eine Moderation wünschen, aber es drängt sich niemand auf, der die Spaltung beendet!“ Allerdings hänge und falle der Messestandort nicht allein mit der Windmesse. Mit der Husum NewEnergy sei man auch sehr profiliert, die Messe habe eine Größe erreicht, die der Windmesse aus dem Jahre 2003 entspricht. Man mache mehrere Kongressangebote und versuche mit seinem Messe-Knowhow neue Geschäftsbereiche zu generieren, auch an anderen Messeplätzen.

Zu Maßnahmen die die Wirtschaftsförderungsgesellschaft ergreifen könne befragt, erklärte Dr. Hüpphauf, es sei wichtig, den Standort Husum und Nordfriesland weiterzuentwickeln. Dazu gehöre die Unterkunftsituation, die durch das Dockkoog-Projekt verbessert werden könne: Dies sei ein „Super-Unterbringungsangebot“ nicht nur für Familien im Sommer, sondern auch für ein Kongresshotel in der Nebensaison: 200 Ärzte oder Apotheker unterzubringen – dort steckten noch enorme Potentiale, die man noch entwickeln könne. Zum Thema Verkehrsinfrastruktur sagte er: „Seit elf Jahren überlegen wir, wie bekommen wir die B5 zeitgemäß ausgebaut! Das ist, was die Messebesucher kritisieren, die von Hamburg kommen! Das sind absolute Basics! Ich weiß nicht, warum wir noch eine Rechtfertigung brauchen!“ Der Aufbau Ost habe funktioniert – „Wir haben keine Zeit, es ist dringend!“

Christopher Vogt erklärte, man habe mehrere Verkehrsbaustellen im Land, aber die B5 und A23 gehörten natürlich dazu. Die nordfriesischen Liberalen setzten sich innerhalb des FDP-Landesverbandes bereits länger mit Nachdruck für den Ausbau ein. Der sei wichtig nicht nur für die Messe, sondern auch für die Region insgesamt! Eine Moderation zwischen Schleswig-Holstein und Hamburg sehe er als schwierig an. Zwar hätten der Ministerpräsident und der Oberbürgermeister Besserung gelobt, er sei aber pessimistisch: „Sie werden von ihren Plänen nicht abrücken. Die Hanseaten sind ja sehr stolz. Die Gefahr des lachenden Dritten sehe ich daher auch!“

Andreas Eichler mahnte schließlich, sich nicht allein auf die Windmesse zu versteifen. „Die Messe Husum ist ja nicht nur die Windmesse: Es muss klar sein, was klar sein muss – Wenn die Industrie so stark weiter wächst, können wir irgendwann nicht mehr alles darstellen, was wir darstellen wollen mit dieser Größenordnung der Messe!“- „Was wollt ihr denn da in dieser Stadt?“ heiße es immer öfter. „Die Vorteile Husums sind schwer gerade den Neuen am Markt deutlich zu machen: Auch Siemens baut heute Windenergieanlagen! Aber das Management hat eine ganz andere Herangehensweise, die haben nicht gesehen, wie es sich hier entwickelt hat, weil sie nicht dabei gewesen sind!“

„Wie wollen wir den internationalen Flair hier halten? Ein Konzept und Platz sind nötig! Ein sinnvoller Plan für die Zukunft!“ Er als Vestas-Geschäftsführer erwarte, wenn man Kunden habe, die für mehrere Millionen Euro einkauften, dass man diese auch vernünftig unterbringen könne. „Wir haben ein Unterbringungsproblem, das müssen wir anpacken!“

Nicht so pessimistisch wollte Jürgen Pallasch die Lage eingeordnet sehen. Er halte es für den falschen Ansatz, vom „worst case“ auszugehen. „Vielmehr ist zu fragen: Wie können wir es verbessern? Wir müssen uns um die Zukunft positiv kümmern! Hamburg hat eine gewisse Grundüberheblichkeit, da wird man keine Partnerschaft hinkriegen! Wir müssen eine Stärke entwickeln, die ein Gegengewicht dazu darstellen kann!“

Zum angesprochenen Platzproblem bemerkte Peter Becker, die Messe könne sich „in alle Richtungen noch erweitern“. In der Infrastruktur bleibe man jedoch begrenzt. Auch der Bau weiterer Hallen stehe unter Vorbehalt wirtschaftlicher Vernunft: „Weitere Hallen würden sich irgendwann nicht mehr tragen!“ Vielmehr gelte es, innovativ nach neuen Messetrends zu suchen: „Wir müssen uns optimal aufstellen und neu Trends aufnehmen!“ Die Entwicklung gehe hin zu einer Trennung von On- und Offshore-Windenergieanlagentechnik, auch die Messen trennen sich. Zur Unterbringungsproblematik räumte Becker ein, dass die Teilnehmer heute z.T. in Neumünster und Hamburg übernachteten und das sei bedauerlich: „Es wäre schon wichtig, sie näher ran zu holen, um das Husum-Gefühl zu erhalten!“

In der anschließenden Diskussionrunde mit den anwesenden Zuhörern, ging es sodann um verschiedene Einzelfragen, die das Podium zur allgemeinen Zufriedenheit beantworten konnte.

Die Frage, wie sich der Messebeirat in Husum verhalte, seitdem einzelne Mitglieder auch in entsprechenden Gremien bei der Messe Hamburg tätig seien, beantwortete Peter Becker in aller Deutlichkeit: Der Beirat sei 2007 auf der Basis des Kooperationsvertrags mit der Messe Hamburg gebildet worden und der Vertrag bislang ungekündigt, „wenn auch nicht nett ausgefüllt von den Herrn“. Nun sei er aber zum Ende 2012 gekündigt worden, so dass es natürlich schwierig sei, über zukünftige Messen zu reden. Der Beirat werde also umstrukturieren und bis dahin nur noch über die Messe im Jahr 2012 reden.

Zum Flughafen Schwesing und der Zusammenarbeit mit der Bundeswehr befragt, lobte Becker, man habe eine „gute Kooperation“! Die Verantwortlichen der Bundeswehr seien „extrem kooperativ, die das gut organisieren und ihren Auftrag sehr zurückhaltend betrachten, damit wir den Flughafen nutzen können!“

Der Einwurf aus dem Publikum, es gäbe zu wenig Engagement der Landesregierung und gerade auch der Opposition, die das Gefühl vermittelten, man wolle sich alles offen halten und sich mit „den Hamburger Genossen nichts verprellen“, unterstützte Andreas Eichler: Die IHK Flensburg habe sich zu 100% zu diesem Standort bekannt und sich mit dem Präses der IHK Hamburg zusammengesetzt, um auch darüber zu versuchen, über die Unternehmensverbände Einfluss zu nehmen. „Es kann aber nicht sein, dass wir immer etwas aufgeben! Wir haben keinen Grund ein geringes Selbstbewusstsein zu haben!“ Allerdings wünsche man sich ein „klares Messekonzept, das die Belange der Aussteller stärker berücksichtigt“ und erwarte „einen Partner, der einem nicht hinterher wieder das Messer in den Rücken schießt!“ Dr. Matthias Hüpphauf fügte hinzu, man benötige dazu auch mehr Ressourcen der TMSH und mehr Flugverbindungen zwischen Hamburg und Schwesing. „Wir brauchen mehr Flieger! Den Straßenbau kriegen wir nicht so schnell vom Tisch!“
Ein passendes Schlusswort bot dann Jürgen Pallasch auf, als er in Richtung der Messe Husum unterstrich: „Das Pferd auf dem sie reiten ist noch lange nicht tot!“

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